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Ich glaube,  es ist eine Tatsache, dass es viele Leute gibt, „die etwas mit ihrem Kopf haben“. Ich weiß, dass der Satz gerade etwas holprig zu lesen war. Weicher und eleganter hätte man das Wort *Problem* einsetzen können und eine einfache scheinbare Lösung wäre präsentiert worden. Aber so einfach ist es leider nicht. Wählt man diesen scheinbar einfachen Weg, merkt man spätestens beim dritten Lesen, dass das Wort „Problem“ das Problem ist. Denn ich glaube, es ist auch eine Tatsache, dass dieses Wort etwas sehr negatives ausstrahlt und zudem den Sachverhalt voraussetzt, gelöst zu werden.

Ein kleines Beispiel:

Lisa hat wirklich Probleme, ihre Gedanken auf ein Thema zu fixieren. Sie fängt an, darüber nachzudenken, dass sie krank ist, besser krank sein könnte, weil sie sich nicht so gut fühlt und da ist so ein Kratzen im Hals. Dann müsste sie für den nächsten Tag in der Arbeit absagen, hat aber am Ende Panik, weil sie eigentlich einen wichtigen Termin gehabt hätte und wer sollte dann für sie einspringen? Vielleicht Tina, aber nicht, dass die das dann viel besser macht! Parallel fällt ihr ein, dass sie eigentlich ja nach einem anderen Job schauen wollte und das gestern nicht mehr geschafft hat. Dann denkt sie darüber nach, dass sie, weil sie sich mittlerweile wirklich krank fühlt, nicht bei dem Termin auftauchen wird und sie deswegen, wenn sie wieder gesund ist, bestimmt so einiges erleben wird. Da gibt es dann zwei Möglichkeiten: Entweder Tina war richtig gut und hat so richtig performed oder Tina war unfassbar schlecht und alle sind sauer auf Lisa, weil sie krank war. Aber heh! Es kann doch niemand sauer auf sie sein, weil sie krank war? Jetzt fängt ihr Kopf an zu brummen. Da denkt sie wieder daran, dass sie ja eh den Job wechseln wollte und es an sich egal wäre, ob sie ihre Sache jetzt gut oder schlecht macht. Der Hals geht immer mehr zu und jetzt brummt der Kopf richtig schmerzhaft. Aber irgendwie ist ihr das egal. Ne ist es ihr, wenn sie ehrlich ist, doch nicht. Wenn sie am Ende weggeht, will sie bis dahin alles so gut machen, wie sie nur kann. Aber sie kann doch alles nur so gut machen, wie sie kann, wenn sie es auch wirklich machen kann und nicht, wenn sie krank ist. Dann geht das ja nicht, aber….

Der kleine Affe mit den Schellenbecken

Okay, okay, okay. Ich gebe zu, das klingt jetzt, muss ich zugeben, wenn ich das so geschrieben sehe, doch etwas wild. Und dann kommt ja auch noch dazu, dass an guten Tagen alles innerhalb von 15 Sekunden durch Lisas Kopf rauscht. Manchmal würde sie sich bestimmt auch wünschen, dass es in ihrem Kopf einen kleinen Affen gäbe, der mit zwei Becken aufeinander haut und sonst einfach nichts passiert, nur Stille.

Sie wünscht sich das einfach nur oder sie träumt das eher, wie das Träumen, dass passiert, wenn man seinen scheinbaren Traumtypen in einem Film sieht. Da wird dann gedacht: „Der ist perfekt.“ Dann wird genauer drüber nachgedacht – das kann Lisa ja bekanntlich sehr schnell und flink – und dann fällt doch auf, dass es etwas unbequem wäre, wenn man morgens neben jemanden aufwacht bzw. von jemanden geweckt wird, der schon täglich seine Sportübungen macht oder bereits im Bad vor dem Spiegel steht, damit auch genug Zeit für die intensive Haar- und Augenbrauenpflege bleibt. Weil Lisa den Unterschied kennt, zwischen erträumen und realistisch wollen ist sie deshalb klar im Vorteil.

Würde Lisa unter einer großen gläsernen Kuppel leben, wäre sie vielleicht sogar im Vorteil. Dann hätte niemals jemand zu ihr den verheerenden Satz gesagt: „Mach dir doch nicht so viele Gedanken.“ Und Lisa hätte niemals den aussichtslosen Kampf begonnen, ihre wild umher flatternden Gedanken unter einer großen, dicken Plane zu begraben. Unter die Kuppel wäre vielleicht auch niemals jemand gekommen und hätte ihr den tatsächlich wenig hilfreichen Ratschlag erteilt, dass sie so oft das Negative suchen würde. Aber mal ganz ehrlich, was sollte Lisa denn tun? Wenn Lisa ein Problem schnell und ohne irgendwelche Umwege löst, woher sollte sie wissen, dass die anderePartei daran interessiert sei, davon zu hören? Diese lauschende Person könnte ja kaum irgendeinen Mehrwert beitragen. Was sollte sie sagen auf: „Heute wusste ich nicht, ob ich um 7 oder um 8 Uhr verabredet war. Dann ist es mir eine Sekunde später wieder eingefallen – irre oder?“

Ganz ehrlich, würde mir jemand solche Geschichten regelmäßig bei Verabredungen auftischen, würde ich auch irgendwann vergessen, wann wir verabredet waren. Und ich bin mir sehr sicher, dass es mir auch niemals wieder einfallen wird.

Deshalb möchte ich mich einmal hier an dieser Stelle an Lisa und all ihre Namens- und LeidensgenossInnen richten und ihnen mitteilen: „Du machst dir nicht zu viele Gedanken. Du siehst nicht immer das Negative in allem. Du hast kein Problem. Das ist so ganz normal und die Art, wie dein Gehirn funktioniert, ist genau die Richtige!